DIDAKTIK UND METHODIK BILINGUALER STRUKTURÜBUNGEN: FRANZÖSISCH FÜR DEUTSCHE

in: Französisch Heute 2/1981 S. 94-102



 

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Um den methodischen Ort bilingualer Strukturübungen zu kennzeichnen, beziehe ich mich auf den methodischen Dreischritt: Sprachdarbietung — Sprachverarbeitung — Sprachanwendung. Strukturübungen gehören in die Sprachverarbeitungsphase.
 

2  Wegüben der Interferenzen

Kontrastive bilinguale Übungen sollen Interferenzen provozieren, um sie gewissermaßen auszuschwemmen und wegzuüben. Wenn wir nur einsprachige Übungen gelten lassen, betreiben wir eine Vogel-Strauß-Politik. Wir stecken den Kopf in den Sand und tun so, als gäbe es die Muttersprache gar nicht. Das ist naheliegend, aber völlig unwirksam. Denn die Muttersprache ist präsent, wenn auch unausgesprochen. Anstelle der Strategie der ängstlichen Vermeidung packen wir mit bilingualen Übungen den Stier, sprich die Interferenzgefahr, bei den Hörnern. Greifen wir als Beispiel die unterschiedliche Wortstellung heraus. Eine zweisprachige Übung könnte wie folgt aussehen:
 
 
ein blauer Mantel un manteau bleu
ein blaues Kleid une robe bleue
ein korrekter Satz une phrase correcte
korrekte Sätze  des phrases correctes
eine korrekte Lösung une solution correcte
eine richtige Form une forme correcte
ein französischer Wagen une voiture française
französische Wagen des voitures françaises
weiße Hemden des chemises blanches
moderne Häuser des maisons modernes
ein preiswerter Anzug un costume bon marché
ein preiswertes (Damen)Kostüm un tailleur bon marché
preiswerte Kostüme des tailleurs bon marché

Ich halte solche nicht-kommunikativen Übungen für notwendig, weil sie im Vergleich zur kommunikativen Sprachausübung die Schwierigkeiten reduzieren und zugleich isolieren, d. h. gezielt anvisieren. Der Schüler ist dadurch entlastet, daß er nicht nach etwas Sagbarem zu suchen braucht, weil ihm die Ideen vom Lehrer geliefert werden. Damit es nicht allzu leicht wird, kann man, wie gezeigt, das Syntagma leicht variieren. Auf alle Fälle müssen die Schwierigkeiten so bemessen werden, daß die Übung zügig absolviert werden kann, ja daß Stimulus und Reaktion Schlag auf Schlag folgen. (In manchen Klassen kann man also nicht so schnell springen, wie im obigen Beispiel, sollte also von einer Vorgabe zur nächsten nur an einem Punkt etwas ändern.) Strukturübungen erfordern im allgemeinen ein flottes Tempo. Ich gebe der zweisprachigen vor der einsprachigen Übung den Vorzug, weil sie die fremde Form nicht nur habitualisiert, sondern durch den Kontrast zugleich bewußt macht; und weil auf diese Weise die Bedeutungen fest eingeprägt werden können. (Andere Pluspunkte später) Bei einer einsprachigen Austauschübung wäre es durchaus möglich, daß die Schüler korrekt reagieren, ohne zu verstehen, was sie sagen. Dabei gehe ich davon aus, daß in der zweisprachigen Übung brauchbare Äquivalente erscheinen, die nicht sofort zu falschen Analogieschlüssen verleiten. Gerade die Schwierigkeiten mir frz. costume / dtsch. Kostüm kann man nicht durch Verschweigen des muttersprachlichen Gebrauchs lösen, sondern nur durch Bewußtmachung der Unterschiede. Wir wissen doch, daß Klangassoziationen das muttersprachliche Wort unwillkürlich ins Bewußtsein heben.
 

3  Der Mythos des fehlenden Äquivalents

Ganz passable zwischensprachliche Synonymien ergeben sich zumeist schon, wenn man nur einen Schritt über das Einzelwort hinausgeht, etwa zum Verb die typischen Ergänzungen hinzunimmt:
 
 
jemandem helfen aider qn
sagen daß dire que
über etwas nachdenken réfléchir qc.
sich handeln um s'agir de

Und es dürfte klar sein, daß auf der Ebene von Sätzen und Äußerungen oft vollkommene Äquivalenz herstellbar ist:
 
 
Steigen Sie schon aus? Vous descendez déjà?
Ja ja. Oui, oui.
Und Sie? Et vous?
Ich steige hier um. Moi, je change de train ici.
Ach so, Sie steigen nur um. Ah, vous changez seulement.
Wo ist denn nur mein Koffer? Si je savais seulement où se trouve ma valise?
Da steht er doch. Mais elle est là.

 
Es ist an der Zeit, den Mythos des fehlenden Äquivalents endgültig zu zerstören. In einer Welt, in der Tag für Tag tausendfach erfolgreich hin- und herübersetzt und gedolmetscht wird, wirkt das Argument des fehlenden Äquivalents leicht lächerlich.

Es ist die verfälschende Einzelwortperspektive ist, mit der man den Mythos vom fehlenden Äquivalent immer wieder kräftig genährt hat. Man geht im Grunde vom Lexikoneintrag aus, von einer Einheit der Sprache als System (langue), nicht von einer Einheit der Rede (parole).
Da findet man in der Tat selten Übereinstimmungen, die für alle Fälle zutreffen. Was heißt denn leisten oder Leistung im Französischen? Eine eindeutige Antwort ist nicht möglich. Aber liefern nicht schon zweiteilige Ausdrücke annehmbare Entsprechungen, mit denen man relativ gefahrlos hantieren kann? Beispiele:

Verzicht leisten (auf) — renoncer (à)
Bürgschaft leisten — fournir une caution
Versicherungsleistungen — prestations d'une assurance.

Schon minimale Kontexte wirken monosemierend und ermöglichen zwischen-sprachliche Synonymie. Und wie steht es mit Äußerungen, also Einheiten der Rede wie

Du könntest mehr leisten — tu pourrais faire mieux?

Natürlich gibt es auch Wörter und Ausdrücke, die für uns schwierige Begriffe bezeichnen, da sie Denkweisen, Institutionen oder allgemein Sachverhalte darstellen, die wir im Lebenskreis unserer eigenen Sprache nicht oder nur selten antreffen. Wörter wie barrister sind ohne längere Erklärungen unübersetzbar; man kann sie nur verstehen, wenn man auch die Kultur, aus der sie stammen — in diesem Fall das englische Rechtswesen — kennt.

So hat die Rede von der „Unübersetzbarkeit“ auch ihre Berechtigung. Denn genau genommen, ist schon jedes Verstehen in der Muttersprache ein Übersetzen. Wenn wir Fontane lesen oder einer Wahlkampfrede von heute zuhören, müssen wir die Sätze, die wir aufnehmen, in unsere eigene Erfahrung mit den Wörtern und Dingen, in unsere eigene Lerngeschichte übertragen. Das ist der tiefere Sinn des Gedankens von der fehlenden Äquivalenz. Zugrunde liegt die Erkenntnis, die Humboldt wie folgt formulierte: „Keiner denkt bei dem Wort gerade und genau das, was der andere, und die noch so kleine Verschiedenheit zittert, wie ein Kreis im Wasser, durch die ganze Sprache fort. Alles Verstehen ist daher immer zugleich ein Nicht-Verstehen, alle Übereinstimmung in Gedanken und Gefühlen zugleich ein Auseinandergehen“ Dies sind jedoch Überlegungen, die die praktischen Probleme zweisprachiger Strukturübungen im Fremdsprachenunterricht längst hinter sich gelassen haben
 

4  Jede zweisprachige Übung mündet in die reine Fremdsprachlichkeit

Erst nach einer solchen zweisprachigen Übung würde ich zu einsprachigen übergehen, indem die Übung an die Schüler übergeben wird. D.h. Sie müssen jetzt selbständig Sätze oder Syntagmen nach dem gleichen Muster bilden. 

Auch dies ist nicht schon anwendungsbezogenes Sprechen, kommt diesem jedoch schon näher als der zweisprachige Drill mit Lehrervorgaben. Denn die Schüler können ja jetzt ihre eigenen Ideen vorbringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß solche einsprachigen Übungen nach entsprechenden bilingualen Vorläufen viel flüssiger absolviert werden. Auf diese methodische Feinstruktur des Unterrichts kommt es an. Wir müssen die in lern- und sprachpsychologischer Hinsicht sorgfältig gestuften Übungsfolgen finden, die den Schülern keine Stolperdrähte spannen, sondern sie stetig und sicher in die kommunikative Sprachübung hineinleiten.
 

5  Weitere Pluspunkte: Intonation, Körpersprache, Modalpartikel  

Die folgende zweisprachige Übung weist noch weitere, äußerst wichtige Pluspunkte vor einer entsprechenden einsprachig gesteuerten Übung auf:
 
 
Ist der Wagen (auch) groß genug? La voiture est assez grande?
Ist der Koffer groß genug? La valise est assez grande?
Ist der Koffer klein genug? La valise est assez petite?
Ist das Zimmer groß genug? etc. etc.
Ist das Zimmer groß genug für dich?
Ist das Zimmer groß genug für das Kind?
Ist dein Kaffee heiß genug?
Ist deine Schokolade heiß genug?
Ist die Flasche kalt genug?
Ist das Getränk kalt genug?
Ist das Bier kalt genug?
Ist der Text interessant genug?
Ist die Frage interessant genug?
Sind die Sitze bequem genug?
Ist die Farbe hübsch genug?

Dies sind komplette Äußerungen, zu denen einem mühelos passende Kontexte einfallen. Der muttersprachliche Stimulus enthält somit eine pragmatische Komponente, die bei den Stimuli „ein blauer Mantel“, „ein blaues Kleid“ fehlte. Der pragmatische Gehalt wird äußerlich an Intonation und Mimik sichtbar, d. h. die muttersprachliche Vorgabe muß vom Lehrer so natürlich wie möglich gesprochen werden, wobei sich auch noch die passende Gestik einstellen kann. Diese Komponente fehlt bei einsprachiger Steuerung, da nur Satzbauteile vorgegeben werden, die vom Schüler dem Muster entsprechend zur kompletten Äußerung zusammengefügt werden sollen.

Der Lehrer bemüht sich also, den Stimulus so echt wie möglich zu sprechen, etwa so als erkundigte er sich gerade bei einem Gast, ob das Bier (auch) kalt genug sei usw. Seine Bemühung muß auf den Schüler vorbildlich wirken: Er kann sie dann auch dem Schüler abfordern und sich mit nichts Geringerem als perfekter Imitation des Sprechmodells zu-frieden geben. Es muß endlich Schluß sein mit dem intonatorisch verkümmerten Sprechen in der Schule, das sowohl Ursache als auch Indiz dafür ist, daß Schüler auch nach jahrelangem Unterricht in spontanen Kommunikationssituationen kaum mehr als Ausdrucksfragmente hervorbringen. 
Im übrigen verweise ich auf das in Klammern gesetzte (auch). Der Lehrer verwendet typisch deutsch Modalpartikel, die der Äußerung eine typische mündliche Färbung geben. Man muß darauf aufmerksam machen, daß das Französische hier keine direkte Entsprechung hat, aber den Stimmungsgehalt wohl durch Intonation und Mimik wiedergibt.   

Ich hoffe, in den folgenden Übungsreihen diesen Punkt noch deutlicher herauszustellen. Zu üben ist die Intonationsfrage, die zugleich eine Aufforderung darstellt bzw. einen vorsichtig geäußerten Vorschlag enthält:
 
 
Nehmen wir ‘n Taxi? On prend un taxi?
Nehmen wir die U-Bahn? On prend le métro?
Fahren wir mit dem Bus? On prend le bus?
Nehmen wir den Aufzug? On prend l‘ascenseur?
Gehen wir rauf? On monte?
Gehn wir die Treppe rauf? On monte (par) l‘escalier?
Gehn wir runter? On descend?
Gehn wir wieder runter? On redescend?
Trinken wir was? On boit quelque chose?
Trinken wir ‘n Bier? On boit une bière?

Wir können im Deutschen aber auch mit der Formel: „Komm, wir . . .„ auffordern. Etwas beiläufig gesprochen, jedenfalls ohne dem Komm einen drängenden Ton zu geben, könnte diese Formel der im französischen Fragesatz enthaltenen Aufforderung in etwa entsprechen. Wir rufen also dieselbe französische Konstruktion auf zwei verschiedene Weisen ab. Schülern, für die die bilinguale Methode noch neu ist, erklärt der Lehrer kurz:
„Man kann im Deutschen stattdessen auch sagen: Komm, wir trinken ‘n Bier! Und wenn man nicht allzu sehr dabei drängt, wäre das wohl gleichbedeutend mit „Trinken wir ‘n Bier“. Also machen wir weiter:
 
 
Komm, wir nehmen ‘n Taxi. On prend un taxi?
Komm, wir hören uns ‘ne Platte an. On écoute un disque?
Komm, wir hören uns ‘ne Platte an. On regarde la télé?
Sehen wir uns das Fußballspiel an? On regarde le match de football?
Komm, wir spielen Basketball. On joue au basket?
Spielen wir Fußball? On joue au football?

Jetzt machen wir die Schüler darauf aufmerksam, daß wir auch im Französischen die Art der Aufforderung sehr fein nuancieren können. Wir stellen gegenüber:

On demande (on va demander)? — demandons! (demandons donc!)

Und dann fragen wir die Schüler, ob ihnen vielleicht selbst noch andere deutsche Versionen einfallen, die den französischen Äußerungen in etwa gleichkommen. Ich denke an Fragen wir mal? mit steigender und Fragen wir mal oder Fragen wir doch mal! mit fallender Intonation. Und so geht die Übung weiter:
 
 
Fangen wir an? On commence?
Fangen wir doch mal an! Commençons!
Klingeln wir mal? On sonne?
Läuten wir doch mal an! Sonnons donc!
Gehen wir rüber? (über die Straße) On traverse?
Gehn wir doch rüber! Traversons!

Die Schüler werden von selbst auf die Idee kommen, daß man im Deutschen statt „Trinken wir einen“ genauso gut „Woll‘n wir ein‘ trinken“ oder auch „Soll‘n wir . . .„ sagen darf. Also üben wir auch damit:
 
 
Woll‘n wir 'n Eis essen? On prend une glace?
Woll‘n wir 'n Kaffee trinken? On prend un café?
Woll‘n wir 'n Tee trinken? On prend un thé?
Woll‘n wir 'ne Suppe essen? On prend une soupe?
Woll‘n wir das Menü essen? On prend le menu?
Woll‘n wir das Menü zu dreißig essen? On prend le menu à trente francs?
usw.

Wichtig ist das Einüben der phraséologie scolaire, da sie so bald wie möglich im Sinne der aufgeklärten Einsprachigkeit für die Organisation des Unterrichts in der Fremdsprache verfügbar sein soll:
 
 
Sollen wir in Gruppen arbeiten? On travaille en groupe?
Bilden wir Gruppen zu viert? On forme des groupes de quatre?
Sollen wir Partnerarbeit machen? On travaille deux par deux?
Machen wir diese Übung in der Gruppe? On fait cet exercice en groupe?
Sollen wir den Lehrer fragen? On demande au professeur?
Fragen wir doch den Lehrer. Demandons donc au professeur.
Wollen wir die Ergebnisse auf Folie schreiben? On écrit les résultats sur le transparent?
Spielen wir ohne Text? On joue sans texte?
Spielen wir ohne Text? On inverse les roles maintenant?
Bilden wir mal einen Kreis? On forme un cercle?

Schließlich gehen wir zum einsprachigen Sätzebilden über. Die Schüler werden aufgefordert, in der Übung fortzufahren, indem sie selbst Sätze erfinden, Sätze aus der vorangegangenen Übung abwandeln oder auch übernehmen. Dann sammeln wir Antwortmöglichkeiten an der Tafel:
 
 
- On éoute une chanson?
+ Pas maintenant, tu vois bien que je travaille
que je lis le journal
que je fais les exercices de maths
que j'écris une lettre
que la télé marche
+ D'accord. On l'écoute.
+ D‘accord. J'aime bien écouter des disques.
+ Si vous voulez. Personnellement, j‘aimerais mieux regarder la télé.
+ C‘est trop tard.

Anschließend können die Schüler in Partnerarbeit microconversations erfinden.
 

6  Kommunikativer Gebrauchswert; sprachliche Transparenz

Aber die Möglichkeiten zweisprachigen Übens sind noch nicht erschöpft. Denn auch für die verneinte Konstruktion brauchen wir eine Übersetzung, die den kommunikativen Gebrauchswert und die Tonlage der Äußerung erkennen läßt. Dadurch gelingt es dem Schüler, die Wendung in sein kommunikatives Gesamtrepertoire einzubinden:
 
 
Ja reisen wir denn nicht ab? On ne part pas?
Ja essen wir denn nicht? On ne mange pas?
Ja essen wir denn nicht im Restaurant? ... au restaurant?
Ja gehen wir denn nicht einkaufen? On ne fait pas de courses?
Ja rufen wir denn nicht deine Kollegin an? On ne téléphone pas à ta collègue?
Warten wir denn nicht auf Robert? On n‘attend pas Robert?

Jeweils am Anfang einer solchen Reihe muß geklärt sein, ob der Schüler noch das fremdsprachige Hörbild präsent hat. Das wäre normalerweise der Fall, wenn die Äußerung on ne part pas? aus einem Basisdialog stammt, der zuvor gründlich eingeübt wurde. Im Zweifelsfall muß der Lehrer das Reaktionsmuster vorgeben und mehrmals nachsprechen lassen. Es ist unbedingt zu verhindern, daß sich der Schüler an der Oberflächenkette des muttersprachlichen Stimulus orientiert und deren Merkmale auf die fremdsprachige Reaktion überträgt. Der Schüler soll vielmehr durch die Muttersprache gleichsam hindurchschauen auf den Sinn, den Sachverhalt oder die Situation, den die Äußerung repräsentiert. Das ist nichts Geheimnisvolles. Denn genau das tun wir alltäglich, wenn wir uns muttersprachlich miteinander verständigen. Hörmann nennt dies linguistische „Transparenz“, jenen „eigentümlichen Akt des Hindurchblickens durch Phoneme, Silben, Wörter und Sätze auf das vom Sprecher Gemeinte.“ Der Auslöser für den fremdsprachigen Satz ist dieses „Gemeinte“, wobei die phonologisch-lexikalisch-syntaktischen Merkmale der muttersprachlichen Vorgabe nur subsidär bewußt sind. Der Schüler kann nun interferenzfrei reagieren, weil er schon ein fremdsprachiges Hörbild gespeichert hat, in das er das jeweils neue einpaßt. 
 

7  Die Mechanik einsprachiger Strukturübungen 

Setzen wir noch einmal eine einsprachige Übung dagegen. Die folgende „Gesprächs-übung“ ist dem Sprachkurs Deutsch 1 (Häussermann/Woods/Zenkner) entnommen. In diesem Unterrichtswerk für Erwachsene kommen zweisprachige Übungen schon deshalb nicht in Frage, weil es nicht für eine bestimmte Ausgangssprache konzipiert ist.

A  Das ist ein Modegeschäft! Wollen wir reingehen?
B  Schön, gehen wir rein!
A  Wunderbare Landschaft! Wollen wir haltmachen? 
B  ---
A  Da kommt Linie 2. Wollen wir einsteigen?
B  ---!
A  Das Archäologische Museum! Wollen wir reingehen?
B  ---!
A  Benno fährt nach Sankt Moritz! Wollen wir mitfahren?
B   ---!
A  So ein sonniger Tag heute! Da müssen wir spazierengehen!
B  ---.
A  Jetzt sind wir am Markt. Wollen wir aussteigen?
B  ---.
A  Hans hat Geburtstag. Wollen wir ihn anrufen?
B  ---.
A  Oder wollen wir ihn gleich einladen?
B.  ---.

Die Übung hat einige Pluspunkte. Sie ist dialogisch angelegt. Ein natürlicher Umgangston ist gewahrt, nichts wirkt hölzern und steif. Zu diesem Eindruck trägt auch die Variation in den Stimuli bei. Gegen zweisprachige Übungen hat sie jedoch den Nachteil, daß vom Schüler lediglich eine syntaktische Transformation erwartet wird. Sie bleibt stets die gleiche. Hat der Schüler den formalen Mechanismus durchschaut, braucht er den größten Teil des Stimulus gar nicht mehr verstehen. Die Mühe hat eigentlich nur der Lehrer bzw. der Lehrbuchautor, der die abwechslungsreichen Stimuli erfunden hat. Es kann sogar vorkommen, daß ein Frankophoner trotz dieser gut gewählten, sinnreichen Kontexte, durch das Wollen verleitet, gar nicht auf den Gedanken kommt, es handelt sich hier um das Äquivalent von on y entre?
 

8  Lehrziel erreicht?

Woran erkennen wir, ob das Üben erfolgreich war? Es genügt natürlich nicht, daß die Übungen selbst fehlerlos und in flottem Tempo absolviert werden. Übungen sind nicht Selbstzweck. Das Ziel kann als erreicht gelten, wenn etwa der Schüler bei sich anbietender Gelegenheit von sich aus und ohne muttersprachliche Vermittlung offeriert: On efface le tableau? Die eingeübten Redemittel müssen in der  Sprachanwendungsphase wieder auftauchen. Sprachbezogene Strukturübungen können zur mitteilungsbezogenen Kommunikation hinleiten, diese aber nicht ersetzen.
 
 


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