WOLFGANG BUTZKAMM

Geist und Sprache

Mit einer Anmerkung über sprachlichen Sexismus
Zielsprache Deutsch 4, 1986 (S. 4-11)


Standpunkte

Wo über das Verhältnis von Geist und Sprache nachgedacht wird, sind drei Standpunkte erkennbar.

1. Sprache ist Stütze und Werkzeug des Denkens, Instrument des Geistes, auch Mitspieler des Denkens. Aber 'das Denken überspielt die Sprache, es ist stärker als Sprache‘ (Wandruszka 1979, 5. 35). Oder 'Die Sprache ist abhängig von ihren Benutzern und Verwendern und nicht umgekehrt: die Sprachteilnehmer seien in ihren Gesellschafts- und Denkstrukturen abhängig von der 'wirkenden‘ und 'leistenden‘ Sprache‘ (Kalverkämper 1979, 5. 68). Auch Goethe teilte diese Auffassung: 'Nicht die Sprache an und für sich ist richtig, tüchtig, zierlich, sondern der Geist ist es, der sich darin verkörpert', wie denn überhaupt diese Einstellung den Naturwissenschaftler kennzeichnet oder auch schlicht solche, die sich einen Sinn fürs Praktische bewahrt haben.

2. Der umgekehrte Standpunkt wurde schon angedeutet. Er ist nicht untypisch für eine bestimmte Art von Sprachphilosophie. Für Liebrucks 'ist Sprache die einzige wirkliche Macht auf dieser Erde: Wir verfügen nicht über die Sprache, sondern sie verfügt über uns‘ (zit. nach Wetz 1984, S.375). Wie vor ihm schon Heidegger (1959, 32, 265 f.): 'Die Sprache spricht‘ Oder: 'Die Sprache allein ist es, die eigentlich spricht. Und sie spricht einsam.Oder: 'Der Mensch vermag nur zu sprechen, insofern er '...auf sie hört.‘ ,Das Wort verschafft dem Ding erst das Sein.‘ Allerdings haben auch Sprachwissenschaftler wie Saussure einen ähnlichen Standpunkt vertreten.

3. Am zahlreichsten sind wohl die, die die Frage, ob der Mensch über die Sprache oder sie über ihn verfüge, als unentschieden ansehen. Es bestehe eine enge Wechselwirkung, das Verhältnis von Sprache und Denken sei dialektisch. So Sternberger (1965, S. 88): 'Die Sprache drückt nicht nur Sachen und Verhältnisse aus, sie wirkt im gleichen Atemzug auf sie ein.‘ Oder in Lakoffs (1973, S. 45) bündiger Formulierung:

"Language uses us as much as we use language."


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Erkenntnistheoretische Klärung

Eine solche Patt-Situation hat viel für sich. Unleugbar, daß die Sprache, die wir immer schon vorfinden, unser Denken beeinflussen, daß sie uns leiten, ja verleiten kann. Andererseits sind wir unserer Sache oft ganz sicher, ohne die Sprache dafür zu haben oder sie auch nur zu benötigen. Eine Landschaft hat sich uns eingeprägt, ein Geschmack liegt uns klar und unverwechselbar auf der Zunge, und doch fehlen uns die Worte, unsere Eindrücke auch nur mit annähernder Klarheit mitzuteilen. Wieso muß uns auch gelingen, mit Worten einzuholen, was sich um Worte nicht kümmert? So scheint uns die zweite Position Ausfluß eines Denkens zu sein, das nicht mehr vom Erleben geprägt und somit auch nicht mehr vom Fühlen berichtigt werden kann. Und dennoch hat gerade dieser Standpunkt den Schein des Rechts für sich. Wenn wir anfangen, über die Sprache nachzudenken, sind wir schon der Sprache zugehörig. Sprache ist unentrinnbar. Sie umgreift alle Standpunkte, Denkungsarten und wissenschaftliche Positionen, die wir je haben könnten. So auch die, die behauptet, die Sprache sei kein Unbedingtes. Denn auch diese Position kann sich wiederum nur sprachlich artikulieren. Ohne Sprache gäbe es sie nicht.

Wenn dies so ist, stimmt es dann auch, daß die Lösung des Rätsels Sprache außerhalb der Sprache liegen muß? Eben nicht. Denn das Signum der Sprache ist gerade, daß wir uns in ihr zu uns selbst - und das heißt auch: zu unserer Sprache - in Widerspruch setzen können. Und obwohl wir dabei nicht aus der Sprache heraustreten, können wir sinnvoll über den Ursprung des menschlichen Sprachvermögens nachdenken, über das Werden und Vergehen von Einzelsprachen oder die kindliche Sprachentwicklung forschen. Offensichtlich bedarf es dazu keines Standpunktes außerhalb der Sprache. Die Frage: wie kann ich über Sprache sprechen vermittels ihrer eigenen Strukturen, die dieses Sprechen immer schon bestimmen? erledigt sich von selbst: wir tun es schon längst, und durchaus mit Erfolg. Vermittels der Sprache gelingt uns das Kunststück, 'uns an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.‘ (Popper 1984, 5. 124).

Die derzeit überzeugendste Klärung dieser Problematik bietet die evolutionäre Erkenntnistheorie (Lorenz, Riedl, Vollmer u. a.). Sie setzt nicht bei der Sprache an, sondern bei den Kantschen Aprioris der Vernunft, den 'Kategorien ‘wie 'Raum‘, 'Zeit‘ usw., die alle unsere Erfahrung strukturieren, ja überhaupt erst ermöglichen. Nun ist aber der Mensch selbst, seine Verhaltensweisen und Denkmuster eingeschlossen, ein Produkt der Evolution. Die Art und Weise, wie der Mensch die Welt durch seine Sinnesorgane aufnimmt und sie denkerisch verarbeitet (so etwa das dreidimensionale Erleben des Raumes), ist somit zwar für den einzelnen unverrückbar vorgegeben. Unsere Wahrnehmungswelt sowie unsere Denkformen sind jedoch, wenn man das Faktum der Evolution anerkennt, kein Unbedingtes und Absolutes mehr, sondern etwas aus früheren, primitiveren Formen Entstandenes, also stammesgeschichtliche Aposterioris. Demnach ist unser bewußtes logisches Denken nur die Spitze des Eisbergs, dessen Masse aus uns unbewußter, rational-analoger Informationsverarbeitung besteht. Bei jedem Schritt z.B., den wir tun, verrechnen unsere Gleichgewichtsorgane eine Fülle von Daten, so daß wir normalerweise keine Probleme haben, die Balance zu halten, usw. All diese Orientierungsleistungen, die z.T. schon bei Tieren vorhanden sind, ergeben zusammen einen 'Weltbildapparat‘ (Lorenz 1973, 5. 18), der schon vor der Sprache die Welt für uns deutet und lediglich sprachlich überbaut, aber nicht umgebaut werden kann. Somit verstehen wir unter 'Geist‘ keine abstrakte Wesenheit, sondern meinen bestimmte Fähigkeiten, die dem Menschen in steter Auseinandersetzung mit seiner Lebenswelt, mit den praktischen Verhältnissen zugewachsen sind.

Übrigens gilt es, für unsere Argumentation bloß die Evolution als solche anzuerkennen. Ob die Evolution durch das Zusammenwirken von Mutation und Selektion restlos aufklärbar ist, ist hier unerheblich.

Fassen wir zusammen. Der Mensch verfügt über ein Artwissen, über arteigenes Erleben und Erkennen von Welt (dreidimensionaler Raum, eindimensionale Zeit, Farbsehen usw.), das ihm Primärerfahrungen liefert.2 Die Arbeit der stammesgeschichtlich jüngeren Sprache kann zunächst nur darin bestehen - sofern sie lebensdienlich sein will - solche Primärerfahrungen im artikulierten Laut nachzuschaffen, nicht aber etwa nach Belieben umzubilden. Das gelingt einzelnen Sprachen in unterschiedlichen Lebensbereichen unterschiedlich gut. So ist von der Psychologie des Farbensehens her erklärbar, warum etwa bestimmte Sprachen nur ein Wort für 'blau‘ und 'gelb‘ haben, aber bisher keine Sprache bekannt ist, die die Eindrücke 'rot‘ und 'grün‘ in ein Wort zusammenzieht. Bei den Verwandtschaftsbezeichnungen ist bisher keine Sprache ausfindig gemacht, die etwa einen gemeinsamen Term für den Vater und Mutterbruder, und einen separaten für den Vaterbruder reserviert (Holenstein 1980, 5. 62). Ebensowenig dürfte es eine Sprache geben, die den Fuß und den Boden, auf dem dieser Fuß geht, ineinssetzt (vgl. Hörmann 1976, 5. 348). Hier gibt es keine sprachliche Willkür, und schon das menschliche Gedächtnis würde nicht mitmachen, fände der Wortschatz nicht auch immer wieder seinen Halt an den objektiven Gegebenheiten der Welt, die schon vor jeder Sprache für uns reichhaltig strukturiert ist.

Die Erkenntnis eines vor der Sprache liegenden, uns als biologisches Erbe mitgegebenen primären 'Weltbildapparats‘ muß heute noch gegen namhafte Linguisten durchgesetzt werden, die alte Positionen wiederholen, ohne allerdings die Schriften der Evolutionstheoretiker zu kennen. So etwa gegen Coseriu (1970, 5. 115): 'Die (sprachliche) Bedeutung ist Gestaltung der menschlichen Erfahrung. Diese Gestaltung folgt aber keinen schon vor der Sprache gegebenen Abgrenzungen oder Scheidelinien.‘ Vielleicht ein Echo der Saussureschen Formel, daß vor der Sprache 'das Chaos‘ liege. Das ist biologischer Unsinn. Jedes Lebewesen lebt in einer geordneten Welt, das Leben selbst ist geradezu Ordnung, ist das ständige Aufrechterhalten von Ordnung. Die Welt ist schon für uns gestaltet, wie sie - in jeweils anderer Art - auch für Pferd, Frosch und Biene gestaltet ist. Es widerspricht nicht nur dem gesunden Menschenverstand, sondern ist biologisch widersinnig, anzunehmen, die Sprache könne nun mit den stammesgeschichtlich älteren, ja lebensnotwendigen Erkenntnisleistungen nach Belieben umspringen. Sprachen sind nicht nur willkürlich, d.h. nur historisch motiviert, sondern knüpfen an natürliche Erfahrungsklassen an. Ein vieldiskutiertes Beispiel ist die menschliche Farbwahrnehmung.


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Leistung der Sprache: Reflexion und Selbstbewußtsein

Wo aber bleiben die Eigenleistungen der Sprache, ihre 'Selbsttätigkeit‘ (Humboldt)? Bei jedem Sprachvergleich wird offenbar, daß die Sprachen die Erfahrungswelt auf je eigene Weise gliedern. Die eine scheidet zwischen 'essen‘ und 'fressen‘, 'rollen‘ und 'wälzen‘, 'schlimm‘ und 'schlecht‘, die andere nicht usw. Dies zu beantworten, muß man etwas ausholen:

Der Mensch ist nicht nur Naturwesen, sondern zugleich Kulturwesen. Oder in der scheinbar paradoxen Formulierung Gehlens (Werke 4, 5. 253), der Mensch ist 'von Natur ein Kulturwesen‘. Auch die Evolutionstheorie trägt diesem Tatbestand Rechnung. Sie spricht beim Menschen von einer zweiten, einer 'kulturellen Evolution‘, die neben die biologische Evolution tritt. Die kulturelle Evolution ist nun aufs engste an die Entwicklung des begrifflichen Denkens im Medium der Sprache gebunden. Erst die Sprache ermöglicht Reflexion und Selbstbewußtsein. Dieses Zusammengehen von Sprache und Selbstbewußtsein hat Humboldt in überzeugender Weise dargelegt: In der Sprache entäußert sich die subjektive, innere und 'gewissermaßen spurlos vorübergehende‘ Tätigkeit des Geistes, schafft sich damit ihr eigenes Objekt und kehrt, aufs neue wahrgenommen, in sich selbst zurück.3 'Hierzu aber ist die Sprache unentbehrlich. Denn indem in ihr das geistige Streben sich Bahn durch die Lippen bricht, kehrt das Erzeugnis desselben zum eignen Ohre zurück. Die Vorstellung wird also in wirkliche Objectivität hinüberversetzt, ohne darum der Subjectivität entzogen zu werden. Dies vermag nur die Sprache.‘ Die Sprache gibt dem Denken seinen Gegenstand, und ermöglicht so das - oben angedeutete - Kunststück Münchhausens. Dabei entwickelt sich die Sprache nur gesellschaftlich, 'und der Mensch versteht sich selbst nur, indem er die Verstehbarkeit seiner Worte an Anderen versuchend geprüft hat. Denn die Objectivität wird gesteigert, wenn das selbstgebildete Wort aus fremdem Munde wiedertönt‘ (Humboldt, S. 429). 'Zugleich macht dadurch der Mensch die Entdeckung, dass es Wesen gleicher innerer Bedürfnisse und daher fähig, der in seinen Empfindungen liegenden mannigfachen Sehnsucht zu begegnen, um ihn her giebt‘ (5. 408). So entsteht erst vermittels der Sprache eine Welt kultureller Geselligkeit; es entstehen unterschiedliche menschliche Gesellschaften und ihre Sprachen; Welten, die sich über das Reich der bloßen Naturwendigkeiten erheben. Eine besondere Zäsur bildet dabei die Erfindung der Schrift. Die Chance (aber auch die Gefahr), nicht mehr aus eigenen Erfahrungen oder doch aus Erfahrungen anderer Menschen, die einem vor Augen sind, zu lernen, sondern allein aus Texten, also allein aus Sprache, wächst ins Ungeheuerliche. Das Denken findet in Texten fixierte Bedeutungen vor, an denen es sich orientieren kann, von denen es sich orientieren läßt. Die Gefahr liegt darin, daß solche sprachlichen Vorprägungen da, wo die eigenen leiblich-sinnlichen Erfahrungen fehlen, das Denken gar ersetzen können. So gehört die Sprache notwendigerweise zweien an: der Natur des Menschen, der sie folgen muß, und der Kultur, die sie wesentlich mitprägt.


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Sprachliche Rückwirkung

Wir können jetzt die eingangs beschriebenen Standpunkte modifizieren und das Verhältnis von Geist und Sprache genauer fassen, und zwar wiederum mit Humboldt. Humboldt hat nämlich nicht bei dem Standpunkt einer unspezifischen Wechselwirkung verharrt - obwohl es hierzu eindeutige Formulierungen von ihm gibt, die auch immer wieder zitiert werden: Geist und Sprache seien unzertrennlich, Sprechen und Denken seien eins, man könne sie sich gar nicht identisch genug denken, usw. An anderen Stellen wird jedoch der Vorrang der ,selbsttätigen Geistesbewegungen‘, der 'Seelenstimmungen‘, der 'inneren Bedürfnisse' usw. eingeräumt. 'Unter allem, was auf die Sprache einwirkt, ist das beweglichste der menschliche Geist selbst; und sie erfährt also auch die meisten Umgestaltungen von seiner lebendigsten Tätigkeit.‘

Die umgekehrte Wirkung der Sprache auf den Geist kann dann nur eine Rückwirkung sein. 'Das Wort an sich selbst ist kein Gegenstand, vielmehr, den Gegenständen gegenüber, etwas Subjectives, dennoch soll es im Geiste des Denkenden zum Object, von ihm erzeugt und auf ihn zurückwirkend werden‘ (5. 139). Oder: 'Die Sprache wird durch Sprechen gebildet und das Sprechen ist Ausdruck des Gedankens oder der Empfindung. Die Denk- und Sinnesart eines Volkes... wirkt schon von den ersten Anfängen auf dieselbe ein. Auf der anderen Seite wächst die Menge des in Lauten hervorgebrachten Stoffes und diese nun auf den Geist zurückwirkende äußere Masse macht ihre eigenthümlichen Gesetze geltend und hemmt die freie und selbständige Einwirkung der Intelligenz‘ (5. 555). Immer wieder hat Humboldt diese Formel von der Rückwirkung gebraucht, und sie steht nicht unbedingt im Widerspruch zu dem Gedanken, Geist und Sprache seien im Grunde eins und eine Priorität sei nicht entscheidbar. Denn die Rückwirkung, für sich betrachtet, ist nicht anders als eine Ursache, die ihrerseits eine Wirkung hervorbringt; aber auch diese Wirkung ist zugleich Rückwirkung, also Ursache, und so weiter und so fort. Modern gesprochen, hat Humboldt somit statt eines linearen Wirkungspfeils eine in sich zurücklaufende Wirkungsspirale beschrieben. Ist einmal der Anfang der Spirale abgeschnitten, gibt es keine reinen Ursachen mehr, sondern nur den Kreislauf rückwirkender Verfestigungen. Auf die kürzeste Formel gebracht: 'Die Welt setzt die Sprache in Bewegung, um sich von ihr bewegen zu lassen‘ (Piontek 1959).


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Die Welt der Abstraktionen

So gibt es menschliche Tatbestände und eine natürliche Weltorientierung, die jeder Sprachverwendung fundierend vorangehen. Dieser ursprüngliche Weltbezug ist an der Sprache selbst ablesbar: so hat die etymologische Forschung gerade für die abstraktesten Begriffe immer wieder sinnliche Ausgangspunkte gefunden bzw. postuliert. Bei vielen Wörtern, die geistige Operationen bezeichnen, liegt dies offen zutage: 'verstehen‘, 'begreifen‘, 'behaupten‘, 'folgern‘, 'schließen‘ usw. Ebenso wie bei Abstrakta wie 'Recht‘, 'Zweck‘ (Reißzweck als Mittelpunkt der Zielscheibe), 'Seele‘ (gehört zu See; dort wohnten nach germanischer Vorstellung die Ungeborenen und Toten), 'Geist‘ (wahrscheinlich ursprünglich das Regen und Rauschen des Windes) usw. Man nimmt beispielsweise auch an, daß sämtliche Farbwörter zunächst Stoffnamen, d. h. vom Farbträger abgeleitet sind, wie heute noch erkennbar bei 'ocker‘, 'purpur‘, 'rosa‘. So schrieb Johann Christoph Adelung, dessen Wörterbuch 1774 erschien: 'Die Bedeutungen jedes Wortes, sie seien so mannigfaltig und abstrakt als sie wollen, gehen allemal von einem sinnlichen Begriffe, und dieser von einem empfundenen Schalle aus, und werden erst nach und nach zu immer weniger sinnlichen ausgebildet‘ (zit. bei Hölscher 1979, 5. 339). Der Mensch baut sich, indem er eine weniger sinnliche Ähnlichkeit an die vorige reiht, aus der sichtbaren eine neue, unsichtbare Welt der Abstraktionen.

Hier entsteht eine Eigendynamik des Denkens in und an der Sprache entlang, indem Sprache immer mehr Sprache gebiert und Erfahrungen schließlich nicht mehr aus dem Erleben, sondern zuerst sprachlich geprägt sind.


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Schuld und Unschuld der Sprache

Wir sind nun in der Lage, aus den vorangegangenen Grundsatzüberlegungen einige Nutzanwendungen zu ziehen und kontroverse Themen anzugehen wie etwa die Frage,

1. inwieweit uns unsere Sprache ein sexistisches Weltbild liefert und

2. den naiven Sprecher zu sexistischem Denken verführt.

Halten wir uns aber zunächst vor Augen, daß wir das Abstraktum 'Sprache‘ oft in unzulässiger oder doch mißverständlicher Weise verwenden. Die Redeweisen 'Sprache der Mächtigen‘ oder, noch abstrakter, die 'Sprache der Macht‘ sind nur zulässig, wenn wir uns in der Tat auf Grammatik und Wortschatz beziehen. Sobald wir aber Sätze, Äußerungen, Texte meinen, gehen wir über das rein Sprachliche hinaus. Es ist der Geist, der aus den Texten spricht, nicht die Sprache selbst. Sonst könnten wir wie Hayakawa (1964) und Chase (1937) Sprachbereinigung fordern, wo doch das Denken zu ändern wäre.

Wenn also vom 'sprachlichen Weltbild‘ die Rede ist, darf man sich nur auf Grammatik und Wortschatz beziehen. In der Tat vermitteln uns nun Grammatik und Wortschatz etwa der deutschen und englischen Sprache sexistische Sichtweisen, d. h., diese Sprachen ergreifen in vielfacher Weise Partei für den Mann. Es wäre auch verwunderlich, wenn sich Spuren der Jahrtausende währenden Vorherrschaft des Mannes nicht in sprachlichen Fügungen und Redeweisen niedergeschlagen hätten.5

Schon im Einzelwort stecken Urteile. Das Wort 'Verjudung‘ meint etwas Böses, weil es Menschen in die Nähe von Ungeziefer rückt. Man kann es daher nicht 'wertneutral‘ gebrauchen. Es gibt also nicht nur, wie Coseriu (1970,S. 126) meint, einen 'nationalsozialistischen Gebrauch des Wortschatzes‘, sondern einen nationalsozialistischen Wortschatz selbst. Günther Anders (1984, S. 75) schreibt: 'Während sich Lügen bislang aufs Biederste als Wahrheiten getarnt hatten, tarnen sie sich nunmehr auf andere Weise: An die Stelle der falschen Aussagen treten nackte Einzelwörter, die den Anschein erregen, noch nichts zu behaupten, in Wahrheit freilich ihr (lügenhaftes) Prädikat bereits in sich tragen. - So ist zum Beispiel das Wort 'Atomwaffe' bereits eine lügenhafte Aussage, weil es unterstellt, daß von Waffen die Rede sei.‘ Die gedankenlose Übernahme solcher Wörter kann das Denken korrumpieren!‘

Sprachlicher Sexismus ist meist von anderer Art, zumal er viel, viel älter als die Wörter 'Verjudung‘ und 'Atomwaffen‘ ist und sich darum tief in die Sprache einnisten konnte. Es ist wohl nicht zufällig so, daß die maskuline Form zugleich auch die allgemein-typisierende Form geworden ist: 'Wir dürfen den Wähler nicht verschrecken‘. Gemeint sind natürlich Wähler und Wählerinnen, letztere werden unter eine - zunächst - maskuline Form subsumiert, die dann auch noch neutral verwendet werden kann. Es ist ebensowenig Zufall, daß bei vielen nomina agentis die weibliche Form von der männlichen abgeleitet ist und nicht umgekehrt: der Wähler, die Wählerin; der Kunde, die Kundin; der Amtmann - die Amtmännin, neuerdings auch Amtfrau. Entsprechend steht in den Wörterbüchern die männliche oder neutrale Form zuerst, nie die weibliche als die abgeleitete, so etwa auch bei den französischen Adjektiven. Auch in formelhaften Wendungen kommen die Männer immer zuerst: 'Männer und Frauen‘, 'Bruder und Schwester‘, 'Vater und Mutter‘ usw., mit der einen Ausnahme, der Anrede 'meine Damen und Herren‘.

Solche Formeln stehen am Übergang zwischen dem, was die Sprache selbst (Grammatik und Wortschatz) vorgibt, und dem, was den Denkstil des einzelnen ausmacht.

Bei Oppositionen wie Junggeselle/Jungfer‘, 'bachelor/spinster‘ hat das weibliche Pendant (auch diese Formulierung könnte man sexistisch nennen) einen abwertenden Beigeschmack, der bei den männlichen Bezeichnungen fehlt. Glücklicherweise besitzen wir im Deutschen das Wort 'Mensch‘ (wenn auch der Mensch), das Englische hingegen bereitet den Frauen die Schmach, noch im Allgemeinsten, dem Menschsein, als 'man‘ oder 'mankind‘ bezeichnet zu werden.

Gewiß gibt es auch Gegenbeispiele, in denen das Feminine übergeordnet ist. Im ganzen ergibt sich jedoch ein erheblicher kumulativer Effekt, der die Frauen sprachlich ins zweite Glied rückt.

Obwohl also Sprachen im allgemeinen, wie Wandruszka (1979) überzeugend dargestellt hat, ein Konglomerat unterschiedlichster, oft einander widersprechender Sehweisen liefern, hat die Nichtbeachtung der Frau relativ zum Mann in der Sprache Methode.


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Arbitrarität des Zeichens und linguistische Transparenz

Inwieweit denkt nun, wer Deutsch spricht, auch sexistisch? Gibt es hier Wittgensteins 'Verhexung unseres Verstandes durch die (sexistischen) Mittel unserer Sprache‘ (1963, 342)?

Grundsätzlich gilt: Das Denken bleibt Herr über die Sprache; diese ist ganz im Sinne Wandruszkas Instrument des Geistes, nicht der Geist selbst. Denn wir schauen durch die Sprache hindurch auf das Gemeinte. 'Im Denken der Sache vertraue ich der Sprache, daß sie sich einstellt, ohne daß ich an sie denke... Die kräftigste, wahrste, täuschungsloseste Sprache ist die unwillkürliche, die sich ergibt, wenn wir ganz wir selbst und ganz bei der Sache sind‘ (Jaspers 1964, 5. 76 f.). Wir können unsere Sprache ebensogut zu sexistischen wie antisexistischen, christlichen wie antichristlichen, marxistischen wie antimarxistischen Überlegungen benutzen. Ohne auch nur ein Jota an der Sprache als solcher zu ändern, kann man eine flammende Rede für die Gleichberechtigung oder gar Höherrangigkeit der Frau halten. Niemand schreibt und denkt darum schon sexistisch, weil er die deutsche Sprache benutzt. Weil wir Wörter haben, können wir mit Ideen genau so spielen wie mit Bauklötzen: sie umdrehen, beiseite schieben, nach unten oder oben setzen, fallen lassen usw. Vor allem können wir jede Idee, sobald sie konzipiert ist, negieren. Die Sprache legt unser Denken nicht fest, sie ist ein offenes System, stets neu beziehbar.

So braucht niemand Jungfer‘ zu sagen. Alternativen wie 'Junggesellin‘, neutraler: 'Single‘ bieten sich an. Aber selbst wenn kein Einzelwort als Parallele zu 'Junggeselle‘ zur Verfügung stünde: die Sprache hat genug andere Mittel; man braucht nur mehr Worte:

'Er ist Junggeselle, sie ist auch unverheiratet.‘

Deshalb gilt: Unser Sprachgebrauch kann nicht böse (hier: sexistisch) sein, wenn niemand sich etwas Böses dabei denkt. Dies gilt insbesondere für den Kernbereich der Sprache, die formalisierten Bezüge der Grammatik. Wir denken diese Bezüge schon deshalb nicht, weil wir sie normalerweise gar nicht kennen. Wir erwerben unsere muttersprachliche Grammatik weitgehend unbewußt und können auch als Erwachsene, Linguisten ausgenommen, kaum brauchbare Auskünfte über die Grammatik unserer eigenen Sprache geben. Während die Grammatik unbewußt geschieht, kann man dies jedoch nicht in gleicher Weise von den Wörtern behaupten. Dazu einige Beispiele. Wenn wir 'man‘ sagen und eine unbestimmte Zahl von Menschen meinen, so kommt es eben auf dies Meinen an, und die etymologische Herkunft des Pronomens ist dabei völlig unerheblich. Wenn ich allgemein typisierend von 'dem Kunden‘ spreche, d.h. ohne Unterschied Kunden und Kundinnen meine, so ist dieser Unterschied auch nicht da (es sei denn, der Hörer unterstellt ihn gegen meine Intention). Auch wenn von 'Kunden und Kundinnen‘ die Rede ist, handelt es sich zunächst um eine syntaktische Voranstellung, nicht um eine Bevorzugung in der Idee oder gar in der Tat. '‘Wer hat meine Brille gesehen?‘ meint die Angesprochenen gleich welchen Geschlechts, und nichts anderes ist hier von Belang. Normalerweise sagen wir 'Vaterland‘, ohne an den Vater zu denken, so wie wir auch 'Muttersprache‘ sagen, ohne die Mutter zu meinen, sondern schlicht die Sprache, in der wir aufwuchsen. Genau dies verstehen wir unter 'sprachlicher Transparenz‘. Ein Paradebeispiel ist englisch 'public school‘. Wer die Bedeutung kennt, denkt sofort an eine Privatschule und eben nicht, wie der Wortlaut vorgibt, an eine öffentliche Schule. Wer aber im Café lautstark das 'Frollein‘ herbeizitiert, weiß auch, daß er sich despektierlich benimmt.


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Sprachlicher Sexismus als sich selbst bestätigende Prognose

Die in der Sprache festliegenden sexistischen Sichtweisen führen also nicht zwangsläufig zum Sexismus, da wir gewöhnlich nicht auf die Sprache selbst hören, sondern ganz bei der Sache sind. Wo ist die Diskriminierung, wenn der Sprecher sie nicht gemeint hat und der Hörer sie nicht empfindet? Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Wer kennt schon die Ableitung Mann - Männisch - Mensch? Wer sie nicht kennt, ärgert sich auch nicht darüber.

Wird aber eine im Ausdruck versteckte sprachliche Ungleichbehandlung als solche empfunden, liegt der Fall schon anders. Die Anrede 'Fräulein‘, fehlende Berufsbezeichnungen für Frauen und manches andere wäre hier zu nennen. Tatsächlich ist aber sprachlicher Sexismus heute großenteils eine sich selbst bestätigende Prognose. Eben weil Linguistinnen auf die vielen sprachhistorischen Asymmetrien aufmerksam gemacht haben, fühlen sich viele Frauen auch da von der Sprache übervorteilt, wo sie vorher nichts gemerkt hatten. Die Unbefangenheit ist nicht mehr zurückzugewinnen, und der Sprachgebrauch wird sich ändern. Schon haben Redaktionen 'guidelines for nonsexist language‘ aufgestellt.7 Rückwirkend könnte ein veränderter Sprachgebrauch auch nicht-sexistisches Denken befördern. Vor übertriebenen Hoffnungen aber sei gewarnt. Ist es mehr als ein Werbegag, 'Brüderlichkeit‘ durch 'Schwesterlichkeit‘ zu ersetzen? Vielen Frauen ist diese Diskussion ohnehin reichlich akademisch. Der Schuh drückt sie woanders.

Coseriu (1970, 5. 133) geht zu weit, wenn er die Sprache als solche 'das Unschuldigste‘ nennt, 'da sie gegenüber ihren Verwendungen im Sprechen völlig unbestimmt‘ sei. Richtig ist, daß es im Endeffekt auf die Verwendung, konkret: auf den denkenden, fühlenden, handelnden Menschen ankommt. Wir brauchen uns unser Denken von der Sprache nicht vorschreiben lassen. 'Die einmal fest geformten Elemente (der Sprache) bilden zwar eine gewissermaßen tote Masse, diese Masse trägt aber den lebendigen Keim nie endender Bestimmbarkeit in sich.‘ (Humboldt, 5. 436).


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Anmerkungen

1 Das Thema ist natürlich viel älter, als unsere Auswahl moderner Zitate erkennen läßt. Den Gedanken wechselseitiger Beeinflussung formulierte schon Francis Bacon in seinem Novum Organum (1620) in mustergültiger Weise:

'Die Menschen glauben nämlich, ihre Vernunft führe die Herrschaft über die Worte; allein nicht selten beherrschen gegentheils die Worte den Sinn so, daß dadurch die Philosophie und die Wissenschaften zu unnützer Sophisterei herabgesunken sind.‘

Die Vorherrschaft der Vernunft behauptet Plutarch:

Unter allem sind zwei Dinge in der Menschennatur von höchster Bedeutung, Vernunft (Nus) und Sprache (Logos), wobei die Vernunft dem Worte gebietet, das Wort aber der Vernunft untertan ist.‘ (Kinderzucht, S. 27).

2 Der hier vertretene erkenntnistheoretische Ansatz ist demnach keine Tabula-rasa-Theorie, angereichert mit ein paar angeborenen Ideen bzw. Kategorien. In ständiger Wechselwirkung mit der Außenwelt hat das Leben hochkomplizierte Entschlüsselungsapparate ausgebildet. Damit wird der aktive Charakter des Erkennens betont. Wenn Goethe in vordarwinistischer Zeit in seiner Farbenlehre formuliert: 'Die Farben sind Taten des Lichts, Taten und Leiden‘ (Werke, Bd. 14, S. 315), so hieße es heute besser:

'Die Farben sind Taten des Auges, Taten und Leiden.‘ oder in Poppers (1984, S. 354 ff.) Worten: Scheinwerfermodell statt Kübelmodell der Erkenntnis.

3 Humboldt wird zitiert nach der von A. Flitner und K. Giel besorgten Werkausgabe, Band 3 (1963).

4 Vgl. Hayakawa (1964, S. 18): 'It will be a basic assumption of this book that widespread intraspecific cooperation through the use of language is the fundamental mechanism of human survival. A parallel assumption will be that when the use of language results, as it often does, in the creation or aggravation of disagreements and conflicts, there is something linguistically wrong with the speaker, the listener, or both.‘ Ähnlich Chase (1937,S. IX):

'No full fledged science [of semantics] has yet appeared but it is obviously on the way. When it does appear, God help the orators, the spell-binders, the soothsayers, the propagandists, the Hitlers, the orthodox Marxists, the dogmatists, philosophers and tbeologians. The Wonderland in which they perform their enchantments will then be clearly seen for what it is.‘

5 Vgl. Humboldt: 'Die Sprache ist tief in die geistige Entwicklung der Menschheit verschlungen, sie begleitet dieselbe auf jeder Stufe ihres localen Vor- und Rückschreitens, und der jedesmalige Culturzustand wird auch in ihr erkennbar.‘ (S. 386).

6 In Anlehnung an Orwells (1962, S. 154) treffliche Formulierung: 'But if thought corrupts language, language can also corrupt thought.‘

7 So z.B. die American Psychological Association in ihrem APA Manual 19833.

8 Ich danke Dr. Annelie Knapp für kritische Durchsicht des Manuskripts.


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Literatur

Anders G. 1984, Das Günther Anders Lesebuch (hrsg. von B. Lassahn), Zürich. Chase St. 1937, The Tyranny of Words, New York.

Cheshire J. 1984, The Relationship between Language and Sex in English, in: Peter Trudgill (cd.):

Applied Sociolinguistics, London etc.

Coseriu E. 1970, Sprache - Strukturen und Funktionen, Tübingen.

Gehlen A. 1985, Philosophische Anthropologie und Handlungslehre. Gesamtausgabe Bd. 4 (hrsg. von K.-S. Rehberg), Frankfurt.

Goethe J.W. v. 1955, Zur Farbenlehre, Werke, Bd. 13, Hamburg.

Hayakawa S. 1. 1964, Language in Thought and Action, 2nd edition, New York.

Heidegger M. 1959, Unterwegs zur Sprache, Pfullingen.

Hölscher L. 1979, Zeit und Diskurs in der Lexikographie der frühen Neuzeit, in: Koselleck, D. (Hg.): Historische Semantik und Begrjffsgeschichte, Stuttgart.

Holenstein E. 1980, Von der Hintergehbarkeit der Sprache, Frankfurt.

Humboldt W. v. 1963, Schriften zur Sprachphilosophie, Werk III, Stuttgart.

Koselleck D. (Hg.) 1979, Historische Semantik und Begriffsgeschichte, Stuttgart.

Lakoff R. 1973, Language and Woman‘s Place. Language in Society 2.

Lorenz K. 1973, Die Rückseite des Spiegels, München.

Lorenz K. 1983, Das Wirkungsgefüge der Natur und das Schicksal des Menschen, Gesammelte Arbeiten, München.

Orwell G. 1962, Inside the Whole and other Essays, London.

Peisl A./Mohler A. (Hg.) 1979, Der Mensch und seine Sprache, Schriften der Carl Friedrich v. Siemens Stiftung, Bd. 1. Berlin.

Piontek H. 1959, Erfahrungen und Überlegungen, in: Buchstab Zauberstab. Über Dichter und Dichtung, Eßlingen.

Plutarch 1947, Kinderzucht, München.

Popper K. R. 1984, Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf. Hamburg.

Riedl R. 1981, Biologie der Erkenntnis. Die stammesgeschichtlichen Grundlagen der Vernunft, Berlin.

Riedl R. 1984a, Die Strategie der Genesis, München.

Riedl R. 1984b, Evolution und Erkenntnis, München.

Sternberger D. 1965, Kriterien, Ein Lesebuch, Frankfurt.

Trömel-Plötz 5. 1978, Linguistik und Frauensprache, in: Linguistische Berichte 57.

Vollmer G. 1975, Evolutionäre Erkenntnistheorie. Angeborene Erkenntnisstrukturen im Kontext von Biologie, Linguistik, Philosophie und Wissenschaftstheorie, Stuttgart.

Wandruszka M. 1979, Sprache und Sprachen, in: Peisl/Mohler(Hg.), Der Mensch und seine Sprache, Berlin.

Wittgenstein L. 1963, Tractus logico-philosophicus, Tagebücher 1914-1916, Philosophische Untersuchungen. Frankfurt.


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